Vor Kurzem ist eine seit Längerem existierende Idee im Jugger wieder aktuell geworden. Die Idee einer Verbandsgründung, um Jugger sportlich zu betreiben und im Rahmen des Sportes zu organisieren. Nach bereits mehreren Diskussionen über dieses Thema kommt der Vorschlag nun von einigen Leuten aus Berlin, um genau zu sein von Daniel, Bruno, Ruben, Thommi, Lester und Stevie.
Um diese Idee als Ganzes zu sehen, ist es zunächst einmal wichtig, zu wissen, wie der Sport in Deutschland organisiert ist. Die Grundeinheit dieser Organisation bilden die einzelnen Sportvereine, wie sie auch von anderen Sportarten her bekannt sind, die sich jetzt auch immer mehr im Jugger bilden. Diese Sportvereine sind auf lokaler Ebene in Stadt-, Kreis- oder Bezirkssportbünde organisiert, welche wiederum auf einer höheren Ebene, den Bundesländern, organisiert sind. Dabei handelt es sich um die Landessportbünde, die selbstverständlich auch deutschlandweit organisiert sind, im Deutschen Olympischen Sportbund (kurz DOSB). Der DOSB ist ferner auf internationaler Ebene tätig, doch dies ist hier nicht von Interesse.
Da nun aber in den einzelnen Vereinen meistens mehr als nur eine Sportart ausgeübt wird, existieren außerdem die Fach- bzw. Dachverbände oder auch die Spitzenverbände. Diese sind wiederum auf Stadt-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene organisiert und sind auf dieser Ebene immer auch Mitglied im entsprechenden Sportbund. Dementsprechend ist der Fußballverband einer Stadt im jeweiligen Stadtsportbund und der Deutsche Fußball-Bund im DOSB.
Wenn ich den Vorschlag richtig verstanden habe, sprechen wir also darüber, dass ein Verband für Jugger in Deutschland gegründet und irgendwann Mitglied im DOSB werden soll, sodass darin der Sport Jugger nach diesen Vorgaben organisiert wird. Selbstverständlich noch mit dem Unterschied, dass keine Landesverbände bestehen, sondern lediglich einzelne Vereine, die dann direkt in den Jugger-Verband eintreten würden.
Diesbezüglich müssten natürlich auch einige Auflagen erfüllt werden. Über eine Mitgliedschaft im DOSB ist erst nachzudenken, wenn die Aufnahmeordnung des DOSB erfüllt werden kann. Dazu müsste man in mindestens der Hälfte der Landessportbünde Landesverbände für Jugger haben. Möglich wäre auch, dass diese noch nicht aufgenommen wurden, weil der Dachverband noch nicht im DOSB ist. Ein weiterer Punkt ist, dass man mindestens 10000 Mitglieder haben und eine aktive Jugendarbeit betreiben muss. Zusätzlich ist Gemeinnützigkeit vorzuweisen.
So weit, so gut. Dies ist momentan nicht zu schaffen, höchstens in ferner Zukunft, doch es sollte bei der Gründung einer Jugger-Verbandes in Deutschland ins Auge gefasst werden, denn nur über den offiziellen Weg besteht die Möglichkeit, auch an Fördermittel der Sportbünde zu gelangen, Hallen und Platzzeiten von den Sportbünden vor Ort zu bekommen oder auch über die Sporthilfe beim Sport versichert zu sein.
Bis das der Fall ist, müssen sich die Juggervereine andere Wege suchen, irgendwie in die Sportvereine zu kommen, um von den genannten Dingen profitieren zu können, was jedoch nicht leicht ist.
Es ist klar, dass dies ein Mammutprojekt ist, das eine lange Zeit in Anspruch nehmen wird, aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen, vor allem, weil der Wille dazu doch schon da ist. Es gibt jetzt schon Juggervereine, die sich untereinander organisieren, wie die Jugger Allianz Niedersachsen, die es geschafft hat, dass Juggervereine in Niedersachsen im Landessportbund Mitglied sind, oder wie die NRW-Teams, die bald eine interne NRW-Liga auf die Beine stellen werden und sich bereits jetzt gegenseitig helfen, in den Landessportbund NRW zu kommen. Ganz zu schweigen davon, haben wir eine organisierte Liga und Abstimmungen über unser Regelwerk. Daran kann man ganz deutlich erkennen, dass die meisten Juggerspieler und –vereine gewillt sind, sich untereinander zu organisieren und gemeinsam etwas für unsere Sportart zu tun.
Der Verband für die Jugger in Deutschland ist in meinen Augen nur ein weiterer Schritt, um Jugger gemeinsam vorwärts zu bringen. Solch ein Verband könnte uns in vielen Hinsichten etwas bringen. Der Aspekt, der mir direkt einfällt, ist der des Außenauftritts. Man hätte einen zentralen Ansprechpartner für Jugger in Deutschland. Wie häufig habe ich mich darüber aufgeregt, dass Neulinge, Presse etc. dachten, Berlin habe das Sagen. Das wäre Geschichte.
Davon einmal abgesehen – was könnte uns ein solcher Verband sportlich bringen?
Ich sehe darin vor allem eine fachliche Weiterentwicklung. Man könnte beispielsweise Trainer ausbilden und so ein fachlich besseres Training erreichen. Dies ist zumindest einer der Punkte, an denen dort gearbeitet werden kann. In der Vorlage der Satzung ist sogar vorgesehen, einen Arbeitskreis für Derartiges einzurichten. Natürlich ist das auch nicht von heute auf morgen machbar, doch langfristig gesehen würde es zu einem besseren Training führen, ein besseres Training wiederum dazu, dass die Spiele spannender und fordernder würden, was wieder Spaß macht. Und in diesem Punkt sind wir uns doch alle einig: Wir wollen alle viel Spaß beim Jugger haben.
Leider kommt es bei Spielen aber auch immer wieder vor, dass uns genau dieser Spaß verdorben wird, indem ewig mit dem Schiedsrichter herumdiskutiert wird, nur weil dieser eine Entscheidung getroffen hat, die einem erfahrenen Spieler nicht zusagt. Viel zu schnell wird dann dem Schiedsrichter mangelnde Kompetenz vorgeworfen, weil man selbst schon länger Jugger spielt und daher ja erfahrener ist. Gerade in Finalspielen ist dies immer sehr ärgerlich, auch wenn sich die Situation insgesamt gebessert hat. Aber auch hier könnte der Verband aktiv werden. Man könnte an der Ausbildung guter Schiedsrichter arbeiten, die dann wichtige Spiele leiten und hoffentlich auch von allen Spielern anerkannt und respektiert werden würden.
Eine weitere große Chance, die ich sehe, ist die, neue Mitglieder zielgerichtet unterstützen zu können. Wenn sich ein neues Team gründen und beschließen würde, diesem Jugger-Verband beitreten zu wollen, könnte man dieses neue Team bei Allem unterstützen, sodass sich daraus schnell ein Team entwickeln könnte, das gut Jugger spielt und gegen das es Spaß macht, zu spielen.
Selbstverständlich hat das Ganze auch eine Schattenseite: Man wäre bis zum Eintritt in den DOSB kein offizieller Sportverband, Kosten müssten gestemmt werden, diverse Personen müssten diverse Ämter übernehmen. Insgesamt müsste enorm viel Arbeit geleistet werden, doch das können wir schaffen.
Konkret besagt der Vorschlag, dass mit dem Verband eine klare Strukturierung für Jugger in Deutschland geschaffen werden solle, was an sich vollkommen zu unterstützen ist. Natürlich gibt es noch einige Punkte, die diskussionswürdig sind, doch es handelt sich ja lediglich um einen Vorschlag.
Zum Einen wären da der Gründungsort und der Sitz des Verbandes. Dies muss auf der Gründungsversammlung beschlossen werden, doch es ist wohl offensichtlich, dass es sich dabei weder um Berlin noch um Hamburg handeln kann. Mich persönlich interessiert der ganze Konflikt nicht besonders und er geht mir mehr auf die Nerven als alles Andere beim Jugger, aber aufgrund der Hintergrundgeschichte wird es, so wie ich die Jugger-Gemeinschaft kenne, immer Leute geben, die behaupten werden, der Verband sei ja in Berlin bzw. Hamburg, und darum große Diskussionen machen werden.
Darum schlage ich vor, den Gründungsort und den Sitz des Verbandes möglichst zentral in Deutschland zu wählen, etwa wie Frankfurt am Main. Auf jeden Fall sollte beachtet werden, dass er auch für die Teams aus dem Süden gut erreichbar ist, vor allem, da große und wichtige Jugger-Veranstaltungen häufig im Norden Deutschlands stattfinden.
Zum Anderen wäre da der Vorschlag einer Verbands-Liga. So sehr ich es auch befürworte, einen Verband zu gründen und Jugger auch in einer Liga zu spielen, halte ich den Vorschlag einer Verbands-Liga für absolut kontraproduktiv. Wir haben bereits eine Liga. Diese mag zwar nicht ganz vergleichbar sein, aber eine zusätzliche Liga zu eröffnen, würde nur zu weiteren Konflikten führen. Dieser Punkt sollte erst angegangen werden, wenn sich der Jugger-Verband etabliert hat. Stattdessen könnte man aus dem vorgeschlagenen großen Jugger-Turnier ein internes Turnier des Verbandes machen.
Nun zu den Vertretern. Dazu kann ich nicht viel sagen, weil ich es einfach gut finde, dass Namen und Kontaktmöglichkeiten veröffentlicht werden. Ich fände es gut, wenn dies festgesetzt würde, damit nicht irgendwann jemand auf die Idee kommt, es ändern zu wollen.
Der nächste Punkt ist der, der mich wirklich gefreut hat. Es ist vorgeschlagen worden, Gasthörer ausdrücklich zuzulassen. Dabei kann ich die begrenzte Anzahl durchaus verstehen, da dies für die Raumplanung sicherlich relevant ist. Dennoch hat es einen schlechten Beigeschmack, dass Gasthörer dazu verpflichtet wären, einen Textbeitrag zu schreiben. Sinnvoller wäre es, darum zu bitten, anstatt es zur Pflicht zu machen. Für mich persönlich stellt dies zwar kein Problem dar, ich habe sogar vor, diese Möglichkeit wahrzunehmen, aber möglicherweise gibt es auch Menschen, die lediglich aus Interesse anwesend sein wollen und nicht unbedingt darüber schreiben möchten.
Ebenfalls kritisch ist in meinen Augen der Gründungstermin, der ein bisschen kurzfristig ist. Man sollte eher das erste Quartal 2012 anpeilen, aus dem ganz einfachen Grund, dass dann für interessierte Vereine noch mehr als genug Zeit wäre, eine Mitgliederversammlung abzuhalten, denn die Teilnahme eines Vereins sollte keine Vorstandsentscheidung sein. Auch hätte so die Jugger Allianz Niedersachsen und das NRW-Gremium genug Zeit sich untereinander abzusprechen was ich für wichtig halten bevor so ein Verband gegründet wird.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf die Vorschläge der Satzung, der Finanzordnung und der Geschäftsordnung eingehen, aber soweit ich das beurteilen kann, sind diese ganz gut auch wenn die noch in den Details genau ausgearbeitet werden müssen.
Viel interessanter ist die aktuelle Forendiskussion zu besagtem Vorschlag.
So kam das Thema der Gemeinnützigkeit auf. Diese erfordert zwar mehr Arbeit, doch wenn man sich rein sportlich orientieren will, ist sie unabdingbar, da sie Voraussetzung für eine Mitgliedschaft im DOSB ist, die angestrebt werden sollte.
Des Weiteren kam das Thema der Markenrechte zur Sprache bzw. dass diese auf den Verband übergehen sollten. Erstens bezweifle ich, dass sich das mit der Gemeinnützigkeit vertragen würde, und außerdem: Haben wir nichts Besseres zu tun, als uns wegen dieser wenigen Markenrechte zu zerfleischen? Was wollen wir damit, wenn mit dem Verband ohnehin kein Gewinn gemacht werden soll? Lester kann sie doch zunächst einmal behalten, denn sie stellen momentan kein ernsthaftes Problem dar und werden dies wohl auch kaum, wenn wir Jugger als Sport betreiben und den Verband am Sport ausrichten.
Kritik wird natürlich auch geübt. Einer der wichtigsten Kritikpunkte ist der, dass man auch die Menschen beträfe, die nicht an einem Verband teilhaben möchten. Diesen Personen würde man nichts vorschreiben, somit beträfe es sie nicht könnte man sagen. Andererseits wäre es auch nicht sinnvoll, diese Leute nicht einzubeziehen, nur weil sie nicht betroffen wären, denn wer nicht mitmacht, ist immer noch indirekt betroffen, beispielsweise indem bestimmte Veranstaltungen nur noch für Verbandsmitglieder zugänglich wären, die früher offen waren. Sicherlich ließen sich noch weitere Szenarien aufzählen, doch im Prinzip handelt es sich um die alte, schon lange existierende Diskussion: Will ich Jugger als Sport betreiben oder will ich einfach etwas machen, das mich klar von anderen Sportarten abgrenzt und im Untergrund vor sich hin vegetiert. Dabei sollten aber alle, die gegen einen Verband sind, bedenken, dass sich früher oder später ein solcher gründen wird. Da kann man doch besser etwas helfen als nachher vor Tatsachen zu stehen die einem nicht gefallen.
Was definitiv aus der Diskussion über eine Verbandsgründung herausgehalten werden sollte, zumindest vorerst, sind die Abstimmungen über das Regelwerk, denn damit sind eindeutig alle Juggerspieler in ganz Deutschland direkt betroffen. Eine Integration des Regelwerks sollte aber in Zukunft erfolgen jedoch genau wie die Liga erst wenn der Verband etabliert ist.
In Zukunft wird sich sicherlich noch Einiges ändern, das jetzt noch sehr kontrovers ist. So wird über kurz oder lang das Liga-Gremium irgendwie in den Verband eingebunden werden, wir werden Landesverbände haben und das Regelwerk wird in den Händen des Verbands liegen. Und bevor ihr fragt: Ja, das letzte ist alles nur meine persönliche Vorstellung von Jugger in der Zukunft.
Abschließend bleibt nur noch zu sagen: Bitte zerfleischt euch bei einer solch wichtigen Diskussion nicht gegenseitig. Wir wollen doch im Endeffekt alle nur Jugger spielen.
Noch ein Dank an Lea Schönberger und Irène Fujara fürs lektorieren.
Vor Kurzem ist eine seit Längerem existierende Idee im Jugger wieder aktuell geworden. Die Idee einer Verbandsgründung, um Jugger sportlich zu betreiben und im Rahmen des Sportes zu organisieren. Nach bereits mehreren Diskussionen über dieses Thema kommt der Vorschlag nun von einigen Leuten aus Berlin, um genau zu sein von Daniel, Bruno, Ruben, Thommi, ...